Mindfuck: Verwirrung mit Konzept - eine Definition:

Mindfuck: Verwirrung mit Konzept

Was wäre, wenn Ihnen in diesem Moment bewusst würde, dass Sie seit einer Woche tot sind und nur mit Geistern kommunizieren. Wenn Sie jetzt erführen, nur geträumt zu haben, dass Sie verheiratet sind und ihr Lebenspartner nie existiert hat? Oder Sie erkennen würden, dass Sie schizophren sind und in den letzten Jahren ein Doppelleben geführt haben? Tagsüber sorgender Familienvater, nachts Serienkiller. Ihnen plötzlich klar würde, dass der Hund, den Sie jeden Tag füttern, längst in Ihrer Küche verwest, die Welt schon längst untergegangen ist. In diesen Momenten der Erkenntnis wären Sie „mindfucked“.


Sprachwissenschaftlich gesehen lässt sich das Wort auf den Englischen Ausspruch "to fuck with somebody´s mind" zurückführen. Mindfuck bedeutet, eine völlig unerwartete Wendung in einer Handlung mitzuerleben oder zu erleben. Dabei ist der Mindfuck immer abhängig von einem Medium. Mindfucks gibt es in Filmen, Büchern, in der Bildenden Kunst, auf Fotographien. Seinen Ursprung und seine höchste Bedeutung jedoch hat der Mindfuck im Film. 



Den Kopf verdrehen lassen 


Allein die Vorstellung, dass Menschen ein wie oben beschriebenen Horror widerfahren könnte, macht einen Mindfuck-Film so faszinierend. Wenn wir nicht mit einer solchen Wendung rechnen, dann sind wir zusammen mit den Protagonisten, die von der erschreckenden filmischen Wahrheit eingeholt werden, „mindfucked.“

Ein annehmbares deutsches Wort für „Mindfuck“ gibt es nicht. Die Eins-zu-eins-Übersetzung aus dem Englischen würde für den deutschen Geschmack zu vulgär klingen. Der Ausdruck lässt sich am ehesten irgendwo zwischen „Simulierter Realität“ und „Kopfverdreher“ ansiedeln. Aber es kommt auch überhaupt nicht auf die Übersetzung, sondern auf die Wirkung an. Denn „Mindfuck“ ist weniger ein Wort als ein Effekt, der uns an unseren eigenen Sinnen zweifeln lassen soll. Der Clou eines jeden Mindfuck-Werkes ist, dass der Regisseur uns einen fiesen Streich spielen und auf etwas völlig Ungeahntes bringen möchte.


Twisted Ending 


Im Film erwartet den Zuschauer eine komplett überraschende Wendung kurz vor dem Ende. Wenn der Zuschauer sich ärgert, Opfer einer filmischen Lüge geworden zu sein, bevor er die Zusammenhänge begreift, hat der Filmemacher gut gearbeitet und der Mindfuck funktioniert. Typisch für ein Mindfuck-Movie ist, dass nicht nur der Zuschauer, sondern auch der Protagonist selbst die nahende Wendung nicht erahnt und ebenso überwältigt oder schockiert ist. Genau hier zeigt sich dann auch der Unterschied zum klassischen Thriller,in dem der Mörder von vornherein weiß, dass er der Mörder ist. Nur das Publikum tappt im Dunkeln.

Ist es Intention des Mindfuck-Regisseurs, vor dem Abspann Klarheit zu schaffen, so stellen sich bestimmte Szenen meist als unwahr heraus.Der Protagonist merkt, dass alles nur ein Traum, ein Spiel, eine Halluzination oder ein schizoider Anfall war. Dem Zuschauer wird nach dem Mindfuck die filmische Wahrheit präsentiert. Das geschieht oft durch geschickt eingesetzte Rückblenden, die eine komplett neue Sichtweise zeigen oder versteckte Details an die Oberfläche katapultieren. Manchmal dauert es eine ganze Weile, bis der Zuschauer wirklich begreift, was hier tatsächlich geschehen ist. Die Folge: Er springt noch mal ein paar Kapitel auf seiner Disc zurück oder schaut sich gleich den ganzen Film noch einmal an – was bei dieser Art von Filmen durchaus gewollt und empfehlenswert ist.


Oftmals gibt der Regisseur versteckte Hinweise, die auf die richtige Deutung des Filmes hinweisen, vom Zuschauer aber nicht bemerkt oder als unwichtig erachtet werden. Spaß macht das nur, wenn hinterher wirklich alles einen Sinn ergibt. Das heißt, der Regisseur muss tatsächlich genügend Hinweise in seinem Werk untergebracht haben, damit der Zuschauer die Aufklärung auch als sinnvoll erleben kann. Je mehr solcher verborgener Anhaltspunkte er in den Film integrieren kann, ohne dass sie jemandem beim ersten Anschauen auffallen, desto genialer ist sein Werk.


Kultcharakter 


Es gibt aber auch Mindfuck-Movies, die am Schluss zunächst scheinbar gar nichts erklären und dem Publikum selbst die Interpretation in die Hand legen. Der Regisseur verrät nichts, lässt aber erahnen, dass es eine Lösung gibt. Der Mindfuck-Film wird zum Mindfuck-Puzzle. Solche Filme können über Jahre hinweg immer wieder neue Diskussionen und Theorien auslösen – und das macht ihren Kultcharakter aus.


(Hardinghaus, 2013) 

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